Rosen-Aquarell: Mehr Tiefe durch Lasuren und Kanten

Das überarbeitete Rosen-Aquarell von Doris Joa

AUS MEINEM ATELIER · AQUARELL

Rosen-Aquarell: Mehr Tiefe durch Lasuren und Kanten

Eine Rose kann sorgfältig gemalt sein, mit schön geformten Blütenblättern und vielen Einzelheiten im Grün, und trotzdem fehlt noch etwas. Bei diesem Bild war es die Tiefe. Ich möchte dir zeigen, wie sich durch die Überarbeitung des Hintergrunds, der Farbverhältnisse und der Kanten die Wirkung der ganzen Rose verändert hat.

Vorher und nachher: das echte Gemälde

Diese beiden Fotos zeigen mein tatsächliches Aquarell vor und nach der Überarbeitung. Auf dem früheren Foto ist der blaue Hintergrund heller und das Blattwerk deutlicher ausgearbeitet. Auf dem späteren Foto treten einige Blätter zurück, während die Rose stärker hervortritt.

Rosa Rosen-Aquarell vor der Überarbeitung des Hintergrunds
Vorher · 10. Juli. Originalfoto; lediglich die Bedienoberfläche des Handys wurde weggeschnitten.
Rosa Rosen-Aquarell nach Lasuren und weicheren Hintergrundkanten
Nachher · 14. Juli. Originalfoto; lediglich die Bedienoberfläche des Handys wurde weggeschnitten.

Die Aufnahmen entstanden getrennt voneinander, deshalb können sich auch Licht und Kamerafarben unterscheiden. Achte vor allem auf das ruhigere Blattwerk, die unterschiedlichen Kanten und die stärkere räumliche Trennung zwischen Rose und Umgebung.

Den Hintergrund zurücktreten lassen

Im früheren Zustand waren viele Blätter sehr deutlich zu erkennen. Ihre Umrisse und Blattadern zogen neben der Blüte Aufmerksamkeit auf sich. Ich wollte, dass das Grün die Rose unterstützt und ihr mehr Raum gibt.

Teile des Blattwerks habe ich mit dunklen Mischungen aus Phthalogrün und Anthraquinoid Red vertieft. Dazu kamen Saftgrün und Payne’s Grau bläulich. So entstanden verschiedene dunkle Farbtöne mit wärmeren und kühleren Bereichen. Wenn auch die Schatten Farbe enthalten, bleibt der Hintergrund lebendig.

Ich habe die Veränderungen gezielt gesetzt. Einige Blätter bleiben erkennbar, andere verschwinden teilweise im Schatten. Dadurch entstehen verschiedene Ebenen, und das Blattwerk bekommt eine räumliche Staffelung.

Wärme in den dunklen Flächen bewahren

In nasse Bereiche habe ich Aureolin-Gelb eingebracht, um Wärme in das Grün zu bekommen. Diese kleinen wärmeren Stellen geben dem dunklen Hintergrund Leben und Abwechslung. Für eine blaue Lasur im Himmelsbereich habe ich außerdem Phthaloblau verwendet und dabei darauf geachtet, dass der Himmel nicht zu dunkel wird.

Entscheidend ist das Zusammenspiel: das kühlere Blau, die warmen und kühlen Grüntöne und die hellen Blütenblätter. Der Hintergrund darf mehr Tiefe bekommen und dabei Licht und Farbigkeit behalten.

Klare, weiche und verlorene Kanten

Eine klare Kante – auf Englisch „found edge“ – ist gut sichtbar. Sie trennt eine Form von der nächsten und kann den Blick anziehen. Eine weiche Kante bleibt erkennbar, hat aber einen sanften Übergang. Eine verlorene Kante – „lost edge“ – verschwindet dort, wo benachbarte Formen in Farbe oder Helligkeit ähnlich werden.

Im überarbeiteten Hintergrund gehen einige Blattränder in die umgebenden Farbflächen über. Andere bleiben deutlicher stehen. Diese Unterschiede helfen, das Blattwerk auf verschiedenen Ebenen erscheinen zu lassen, und geben dem Auge Ruhe. Auch das wechselnde Verhältnis zwischen hellen Blütenblättern und dunklerem Grün macht die Form der Rose deutlicher.

Eine erklärende Grafik zu den Veränderungen

Die Pfeile in der folgenden Grafik verdeutlichen die malerischen Prinzipien, die ich oben beschrieben habe.

Illustrative Lehrgrafik zu Lasuren sowie klaren und verlorenen Kanten bei einem Rosen-Aquarell
Erklärende Illustration, mit einem Bildgenerator erstellt. Sie kann vom Originalgemälde abweichen und ist keine exakte Wiedergabe und kein originales Zwischen- oder Endfoto. Die echten Vorher-/Nachher-Fotos stehen weiter oben.

Die englischen Beschriftungen: „Found edge“ bezeichnet eine klare Kante, „Lost edge“ eine Kante, die mit ihrer Umgebung verschmilzt. „Glazes create depth“ bedeutet, dass transparente Farbschichten durch veränderte Farbe und Helligkeit Tiefe schaffen. Der Hinweis zur blauen Lasur verdeutlicht einen kühleren Himmel; bei meinem Bild habe ich bewusst darauf geachtet, diesen Bereich nicht zu dunkel werden zu lassen.

Diese Farben habe ich verwendet

Aquarellfarbtuben und zwei Pinsel von Doris Joa für den Rosenhintergrund
Meine Materialien für diesen Hintergrund: die tatsächlich verwendeten Farbtuben und Pinsel.
  • Schmincke Horadam Phthalogrün
  • Daniel Smith Anthraquinoid Red
  • Schmincke Horadam Saftgrün
  • Schmincke Horadam Payne’s Grau bläulich
  • Schmincke Horadam Aureolin
  • Schmincke Horadam Phthaloblau

Wenn einem Bild noch Tiefe fehlt

Bevor du weitere Einzelheiten ergänzt, schau dir das ganze Bild mit etwas Abstand an. Ziehen Blüte und Blätter ähnlich viel Aufmerksamkeit auf sich? Könnten einige weichere Kanten oder ein ruhigerer Bereich im Hintergrund dem Hauptmotiv mehr Raum geben?

Bei dieser Rose haben die umgebenden Formen viel verändert. Manche treten deutlicher hervor, andere verschwinden sanft. Dadurch bekommt die Blüte mehr Präsenz, und die fließende Leichtigkeit des Aquarells bleibt erhalten.


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